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Gemeinsames vor Trennendes Stellen

Das Verhältnis zwischen Trainern und Schiedsrichtern im Tiroler Fußball Unterhaus war in den vergangenen Monaten auf einem neuen Tiefpunkt angekommen. Gegenseitige Schuldzuweisungen flogen nur so durch die Gegend. sportszene.tirol nahm dies zum Anlass für eine Diskussionsrunde mit Betroffenen. Für die Trainer bezogen Hans Glabonjat (Völs) und Stefan Höller (Telfs) Stellung, für die Schiedsrichter Besetzungsreferent Gregor Danler, Christopher Spiss und Alexander Brugger.

Glabonjat, selbst lange Spieler und inzwischen arrivierter Trainer, führte an, dass es in früheren Jahren ein ganz anderes Miteinander gegeben hat: „Da konntest du als Spieler auch mal was sagen, ohne das jedes Wort sofort auf die Goldwaage gelegt wurde. Man hat sich untereinander gekannt. Heute fehlt die gegenseitige Wertschätzung. Die Kommunikation ist viel zu impulsiv geworden.“

Es sei vor allem so, dass oft schon nach wenigen Spielminuten Spannungen zwischen Trainern und Schiedsrichtern entstehen, wodurch die Konzentration auf das eigentliche Spiel weitgehend verloren gehe.

Höller meinte: „Ich bin eigentlich ein ruhiger Vertreter meiner Zunft, doch in dieser Saison bin ich auch mehrfach aus dem Sattel gegangen. Teilweise war es einfach sehr provokant, wie die Schiedsrichter aufgetreten sind. Und ich muss auch sagen: Wir trainieren vier bis fünfmal pro Woche, damit die Spieler fit sind. Wenn ich dann sehe, dass so mancher Unparteiische nach 15 Minuten schon pumpt, dann fehlt ihm die nötige Fitness für eine Spielleitung.“

Beide Coaches kritisierten auch, dass sich manche Schiedsrichter über die Qualitäten des Spiels auslassen, was bei Danler auf Verständnis stieß: „Keiner unserer Schiedsrichter hat über die Qualitäten des Spiels oder der Spieler zu urteilen. Das ist nicht Inhalt der Spielleitung.“

Offene Worte gab’s von Brugger, der einräumte: „Ich war zu Beginn meiner Schiedsrichterkarriere ohne Frage extrem arrogant, was wohl auch eine Art Schutzmechanismus war. Ich musste da erst eine Entwicklung durchmachen, um das abzulegen. Was mir freilich auffällt ist, dass es früher viel mehr Treffen zwischen den beteiligten Parteien gegeben hat. Vor allem nach den Spielen in der Kantine. Es wäre einfach wichtig, dass alle wieder aufeinander zugehen. Emotionen gehören zum Fußball dazu.“

Höller sieht im Fußball auch gewissermaßen ein Spiegelbild des gesellschaftlichen Lebens der heutigen Zeit, das schlichtweg oberflächlicher wird. Was die von ihm repräsentierte Trainerzunft angeht, würde er sich regelmäßige verpflichtend Regelschulungen wünschen, denn „es kennen nicht alle Trainer alle Regeln. Wir das behoben, kann viel Schärfe rausgenommen werden.“

Für Spiss gehören zum Spiel auch Wortmeldungen der Trainer und Spieler: „Das lass ich als Spielleiter durchaus zu. Aber es muss im Rahmen bleiben. Wenn es beleidigend wird, muss ich das als Schiedsrichter sanktionieren.“

Danler wies noch auf einen weiteren Fakt hin: „Ein Schiedsrichter kann sich körperlich fit halten. Aber die Tätigkeit der Spielleitung kann er schlichtweg nicht trainieren. Je nach Spielsituation ist er gezwungen, in Sekundenbruchteilen Entscheidungen zu treffen. Dass dabei auch Fehler passieren, ist menschlich.“

Einen konkreten Wunsch äußersten die Unparteiischen übereinstimmend: „Es wäre einfach auch ein Zeichen des Respekts, wenn sich die Trainer auch vor dem Spiel sehen lassen und uns da nicht wie Luft behandeln. Auch das würde das Klima deutlich verbessern.“

Letztlich waren sich alle einig, dass das Hauptproblem im Verhältnis Trainer-Schiedsrichter eine mangelnde Kommunikation ist. Diese zu verbessern sei aber durchaus schwierig. Denn es ist wohl ein Paradoxon unserer Zeit: Die digitale Vernetzung schreitet in Höchstgeschwindigkeit voran, die persönliche Kommunikation bleibt dabei aber auf der Strecke…

Diskutierten über das Verhältnis zwischen Schiedsrichtern und Trainern, von links: Christopher Spiss, Alexander Brugger, Gregor Danler, Hans Glabonjat und Stefan Höller.
Foto: sportszene.tirol

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