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Ungeliebter vierter Platz

Bis zum letzten Paar des Abends lag Vanessa Herzog noch auf dem Silberrang bei den Einzelstreckenweltmeisterschaften in Salt Lake City über ihre Paradedisziplin über 500 Meter. Doch am Ende stießen die beiden Russinnen Angelina Golikova und Olga Fatkulina Österreichs Sportlerin des Jahres noch vom Treppchen im WM-Rennen über die Sprintdistanz. So musste sich die Titelverteidigerin mit dem vierten Platz begnügen. Der Sieg ging wie vor drei Jahren an die aktuelle Olympiasiegerin Nao Kodaira, die sich vor einem Jahr in Inzell noch Herzog geschlagen geben musste.

„Der vierte Platz ist halt genau das Ergebnis, das man bei einer Großveranstaltung überhaupt nicht haben will. Man muss aber anerkennen, dass die drei Medaillengewinnerinnen heute einfach besser waren“, resümierte die 24-jährige Wahlkärntnerin, die in 36.94 knapp unter der magischen Marke von 37 Sekunden blieb und nur elf Hundertstel langsamer war als ihr Österreichischer Rekord. Diesen hätte sie für eine Medaille unterbieten müssen, was Herzog vor dem Rennen sogar prognostizierte. In 36.69 Sekunden holte sich Kodaira ihre insgesamt vierte WM-Medaille über 500 Meter, die zweite in Gold. Nur vier Hundertstel dahinter landete die zweifache Saisonsiegerin Golikova auf dem zweiten Platz, knapp vor ihrer Teamkollegin Fatkulina, die sich mit einem Rückstand von neun Hundertstel auf Kodaira ihre zweite Bronzemedaille nach 2013 sicherte.

„Insgesamt war es ein verkrampftes Rennen von mir. Der Start war gut, mein schnellster in meiner Karriere, aber die Runde war technisch einfach nicht gut“, blickte Herzog auf ihren Lauf zurück und fügte an: „Vielleicht habe ich einfach zu viel gewollt.“ Nach wie vor ist die Österreicherin auf der Suche nach der Lockerheit, die sie in der letzten Saison zu EM- und WM-Gold und zum Gesamtweltcupsieg über 500 Meter führte. „Die Enttäuschung überwiegt natürlich im Moment“, versuchte sie ihre Gefühlslage nach dem verpassten Podium einzuordnen. Die junge Österreicherin wurde nur von den drei heuer im Weltcup siegreichen Athletinnen über 500 Meter in Salt Lake City bezwungen. „Es war eine Topzeit und ich bin damit die viertschnellste Frau des Jahres“, versuchte sie die positiven Aspekte zu sammeln.

Was die Lockerheit am schnellen Eis in Salt Lake City bewirken kann, zeigte die 26-jährige US-Amerikanerin Kimi Goetz, im Weltcup heuer nie besser als Neunte über 500 Meter. Sie verbesserte ihre persönliche Bestleistung um über vier Zehntel und wurde überraschend Fünfte über 500 Meter bei den Frauen. „Es ist viel möglich, wenn man hier locker laufen kann. Vielleicht gelingt mir das ja morgen“, erklärte Herzog, die am Samstag über 1.000 Meter nochmals im Einsatz ist: „Bislang hatte ich noch keinen wirklich guten Lauf über diese Distanz in dieser Saison und ich mag gar keine Prognose abgeben. Die Form ist aber definitiv gut und vielleicht löst sich der Knoten ja morgen.“

Das Rennen der Frauen über 1.000 Meter findet um 22:20 Mitteleuropäischer Zeit statt und wird live auf ORF Sport+ übertragen.

Ergebnisse 20. Einzelstrecken-Weltmeisterschaften in Salt Lake City, USA:
500 Meter Frauen
1. Nao Kodaira (JPN) 36.69
2. Angelina Golikova (RUS) + 0.04
3. Olga Fatkulina (RUS) + 0.09
4. Vanessa Herzog (AUT) + 0.25

500 Meter Männer
1. Pavel Kulizhnikov (RUS) 33.72
2. Ruslan Murashov (RUS) + 0.26
3. Tatsuya Shinhama (JPN) + 0.30

10.000 Meter Männer
1. Graeme Fish (CAN) 12:33.86 (=WR)
2. Ted-Jan Bloemen (CAN) + 11.14
3. Patrick Beckert (GER) + 14.06

Teamverfolgung Frauen
1. Japan 2:50.76
2. Niederlande + 1.89
3. Kanada + 2.86

Österreichs Teilnehmer 20. Einzelstrecken-Weltmeisterschaften in Salt Lake City, USA:
Armin Hager (USCI Innsbruck)
Vanessa Herzog (ESC Otrouza)

Programm 20. Einzelstrecken-Weltmeisterschaften in Salt Lake City, USA:
Samstag, 15. Februar 2020
20:30 Uhr 5.000 Meter Frauen
21:35 Uhr 1.000 Meter Männer
22:20 Uhr 1.000 Meter Frauen (mit Vanessa Herzog)
23:10 Uhr Teamverfolgung Männer

Sonntag, 16. Februar 2020
20:30 Uhr 1.500 Meter Frauen
21:25 Uhr 1.500 Meter Männer
22:30 Uhr Massenstart Frauen
22:50 Uhr Massenstart Männer (mit Armin Hager)

(alle Zeiten MEZ)

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