Die Geduld sinkt, das Unverständnis steigt

Wer hätte vor einem Jahr geglaubt, dass sich Kinder darauf freuen, in die Schule gehen zu dürfen. Dem mittlerweile berühmten „Nasenbohrer-Test“ sei Dank, wird wieder Englisch gepaukt, werden Aufsätze geschrieben und verschiedene Formeln berechnet. Ja sogar die Turnstunde steht am Stundenplan. Dem Sport als Freizeitaktivität ist aber nach wie vor ein Riegel vorgeschoben. Sehr zum Unverständnis von vielen, auch von TFV-Vize-Präsident Arno Bucher.

„Ich möchte vorab betonen, dass ich mehr als froh bin, dass unsere Kinder wieder in die Schule dürfen. Aber, dass etwa 30 Schüler in einem 60 Quadratmeter großen Klassenzimmer einen Schultag verbringen dürfen, jedoch ein Fußballtraining im Freien mit 25 Kindern auf 2.800 Quadratmetern untersagt wird, ist einfach nicht nachvollziehbar“, so Bucher. Ähnlich ist auch der Inhalt des zweiseitigen, offenen Briefs des ÖFB an Bundeskanzler Sebastian Kurz, Vizekanzler Werner Kogler und Bundesminister Rudolf Anschober. „Nun stehen wir an einem Punkt, an dem niemand versteht, dass eine Sportausübung im Freien in Kleingruppen mit einem negativen Testergebnis nicht möglich sein soll“, so ein Satz aus dem vom ÖFB-Präsidenten und seinen Landespräsidenten unterzeichneten Schreiben. Auch wird von einem Rückgang bei Nachwuchssportlern von bis zu 30 % gesprochen. Entsprechend deutlich auch der Schlussabsatz. „Wir möchten daher mit allem Nachdruck appellieren, den Sport im Freien unter der Voraussetzung von Testungen für Kinder, Jugendliche und Amateure umgehend zu ermöglichen! Die ersten irreparablen Schäden sind bereits entstanden, weil der Sport offensichtlich bei unseren Politikern nicht jenen Stellenwert genießt, den er verdient.“

Auch an der Basis gärt es gewaltig. So tat etwa die U-13 des ESV Hatting-Pettnau ihrem Unmut über das Sportverbot auf ihre, fantasievolle Art und Weise kund. Nicht mit Demonstrationen wie es derzeit gang und gäbe ist, sondern mit einer Fotobotschaft über die sozialen Medien. Die „Ronaldos von morgen“ hielten einen Zettel mit einem Wort in die Kamera. Daraus entstand eine deutliche Botschaft an die Politik: „Bitte lasst uns wieder Fußball spielen, wir vermissen das so sehr. Dankeschön!“ Gemäß dem Motto „lieber gut kopiert als schlecht erfunden“ haben sich der sportlicher Leiter Christoph Pardeller und Nachwuchsleiter Fabian Gstir die Aktion vom FC Kufstein abgeschaut. „Dieser eine Satz sagt alles aus, was den Kindern wichtig ist“, so das Duo unisono. „Es ist einfach unverständlich, dass Kinder, die noch dazu getestet sind, den Vormittag gemeinsam in der Klasse verbringen dürfen, aber Stunden später im Freien nicht gemeinsam Fußball spielen dürfen. Wir als Verein haben schon im Herbst alle Maßnahmen mitgetragen und sind auch jetzt bereit, etwa Testungen durchzuführen. Damit wäre allen geholfen. Die Bevölkerung könnte wieder ihrem Hobby nachgehen und die Tests wären noch flächendeckender als aktuell, zumal ja nicht nur der Fußball von den Sanktionen betroffen ist.“

„Bitte lasst uns wieder Fußball spielen, wir vermissen das so sehr. Dankeschön!“ Die U-13 des ESV Hatting-Pettnau bringt es auf den Punkt. Foto: ESV Hatting-Pettnau

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