Zirler Brüder-Power für Klagenfurter Rotjacken – Teil 2

Im zweiten Teil des Meister-Interviews sprechen Marcel und Samuel Witting unter anderem über die Rivalität zwischen dem KAC und dem VSV und ob eine Rückkehr zum HCI eine Option wäre.

Die Rivalität zwischen Eurem KAC und dem VSV scheint ja unendlich. Wie seht ihr das als „neutrale Tiroler“?

Marcel: Wir sind beide schon in jungen Jahren nach Kärnten gekommen und haben diese Rivalität von Beginn an mitbekommen. Wir sind mehr oder weniger damit geimpft worden, dass wenn man gegen den VSV spielt, es nur ein gewinnen gibt. Man freut sich zwar immer aufs Derby, aber es ist scheiße, wenn du es verlierst. Weil die Rivalität einfach riesengroß ist. Da ist es auch egal, wenn du fünf Spiele in Folge gewinnst. Wenn du gegen Villach verlierst, dann ist einfach eine scheiß Stimmung in Klagenfurt. Und das die ganze Woche über.

Samuel: Die Rivalität ist sehr groß. Sogar im Nachwuchs. Ich erinnere mich an ein Derby, damals hat der Trainer gesagt: „Das Spiel gegen Villach ist kein Spiel, das ist Krieg. Und den müssen wir gewinnen.“ Und im Profibereich ist es nicht anders. Wenn du, so wie heuer, in der Play-Off-Serie gegen den VSV spielst, ist der Druck nochmal größer. Wenn du da verlierst, kannst du dir in Klagenfurt den ganzen Sommer über was anhören. Aber wir waren diesmal von Anfang an bereit und haben verdient gewonnen (Der KAC bezwang den VSV in der Viertelfinalserie deutlich mit 4:1, Anmerk.).

Angenommen, ein Manager aus der NHL würde euch zu eurem Bruder befragen. Wie würdet ihr ihn anpreisen?

Marcel: Hmm, wie würde ich ihn anpreisen? Als extrem flinken, spritzigen, mit viel Übersicht, einem guten Pass und einem guten Schuss ausgestatteten Spieler. Im Endeffekt hat er das komplette Paket was man braucht. Er kann in jeder Liga dominieren. Was den Sami besonders ausmacht: er hört nie auf zu arbeiten. Das habe ich von ihm gelernt. Seinen Biss bewundere ich an ihm. Neben seinen anderen Qualitäten ist die Arbeitseinstellung das, was am meisten herausragt.

Samuel: Hmm, wie soll ich ihn beschreiben (beide lachen). Der Marcel ist in meinen Augen ein super Spieler. Er hat in der vierten Linie seine Aufgaben super erledigt, ist ein super Eisläufer, kann checken, kann Tore schießen, hat einen Super Schuss und kann ein Spiel lesen. Er ist nicht nur einer der schnellsten Spieler in der Mannschaft, er ist einfach auch ein Spieler den das Team braucht. Ein Kämpfer, ein Rackerer – genau das macht ihn aus.

Wie lange gelten Eure Verträge beim KAC noch? Wie sieht die Zukunft aus? Ist das Ausland auch ein Thema?

Marcel: (lacht)Mein Vertrag läuft in drei Tagen aus (Stand Donnerstag, Anmerk.). Unser Agent hat vor einer Woche angefangen, mit diversen Mannschaften zu sprechen. Natürlich unabhängig voneinander. Aber ich würde gerne beim KAC bleiben, das muss ich ganz ehrlich sagen. Ich habe, abgesehen von ein paar Freunden in Tirol, meinen kompletten Lebensmittelpunkt hier. Aber wenn was interessantes kommt, würde ich mir das natürlich anhören. Und zum Thema Ausland: Wenn man realistisch ist, brauch ich nach der Saison nicht einmal mit dem Gedanken spielen. Aber vielleicht in der Zukunft… Ich will jetzt nicht nein Sagen. So alt bin ich ja noch nicht. Und wenn sich was ergibt… Aber prinzipiell konzentriere ich mich darauf, viel Eiszeit zu bekommen und wieder der Alte zu werden.

Samuel: Bei mir läuft der Vertrag jetzt auch aus. Wir haben schon Gespräche geführt, der Verein will meinen Vertrag verlängern. Und wie Marcel schon gesagt hat: wir haben unseren Lebensmittelpunkt in Klagenfurt, haben sehr, sehr viele Freunde. Und natürlich wäre es für mich fein, wenn das Bruderherzchen auch da ist (beide lachen). Mir gefällt es in Klagenfurt sehr gut, ich habe meine Freundin da, daher ist ein anderer Verein in Österreich derzeit kein Thema für mich.

Wie seid ihr überhaupt zum Eishockey gekommen?

Marcel: Boah, das ist schon so lange her (lacht). Ich glaub, ich habe das damals gemeinsam mit meiner Mama und Sami bei meinem Opa und meiner Oma im Fernsehen gesehen. Und dann habe ich mir gesagt: Ich will das machen, ich will das probieren. Ich bin meiner Mama dann solange auf die Nerven gegangen, bis sie mir eine Ausrüstung gekauft hat. Dann bin ich das erste Mal auf`s Eis und seither ist Eishockey für mich nicht mehr wegzudenken. Auf diesem Weg möchte ich meiner Mama einen großen Dank aussprechen, weil ohne Mama und dem Stiefpapa wäre das alles nicht möglich gewesen.

Samuel: Ich bin eigentlich durch Marcel zum Eishockey gekommen. Ich weiß noch, dass ich am Anfang nicht so begeistert war. Ich habe lieber der Eismaschine zugeschaut als auf`s Eis zu gehen (Bruder Marcel lacht laut). Aber nachdem ich das erste mal die Schuhe angezogen habe und am Eis gestanden bin habe ich mich sofort in diesen Sport verliebt.

Kommen wir zum Amateursport. Für die einzelnen Vereine wird die Arbeit nicht nur wegen Corona immer schwieriger. Für die später abgebrochene Super-League waren heuer etwa nur vier Teams gemeldet. Woran hackt es eurer Meinung nach?

Marcel: Um hier eine Meinung abzugeben, bin ich eigentlich viel zu wenig involviert. Ich habe ein paar Freunde die in der Tiroler-Liga spielen und was man so mitbekommt, versucht man schon überall den Nachwuchs zu forcieren. Vielleicht könnte man das noch etwas ausweiten. Andererseits ist das auch eine finanzielle Geschichte. Durch Corona fehlt den Amateurclubs, nehmen wir her, Silz, Kundl, Wattens usw. das ganze Sponsoring-Geld. Und das ist dann ein Teufelskreis aus dem du nicht so schnell raus kommst. Da leidet halt der Sport drunter.

Samuel: Ich habe noch weniger Bezug dazu wie der Marcel, weil ich doch in jungen Jahren weggegangen bin. Was man aber immer wieder hört ist halt, dass sich Kinder durch das ganze Testen, die Ansteckungsgefahr und weil es halt einfacher ist, lieber ein Ball schnappen und Fußball spielen. Was man in diesem Zusammenhang aber auch nicht vergessen darf: Die Eishockeyausrüstung ist auch nicht gerade das billigste. Speziell in jungen Jahren musst du alle ein, zwei Jahren was neues kaufen. Vielleicht könnten hier die Vereine etwas mehr an Material zur Verfügung stellen, damit die Kinder überhaupt zu spielen beginnen.

Die ersten Sporen habt ihr euch bei den Gunners in Zirl verdient, dann ging es relativ rasch zum HCI. Ist früher oder später eine Rückkehr nach Innsbruck für euch vorstellbar?

Marcel: Vorstellbar schon, warum auch nicht. Das ist halt immer auch eine Frage des Geldes. Es geht halt auch darum. Aber ich könnte mir das schon vorstellen, in ein paar Jahren nach Innsbruck zurückzukehren und da nochmal für die Mama, den Stiefpapa und die ganzen Freunde zu spielen. Da aufzuhören wo man angefangen hat ist immer schön. Ob es praktisch umzusetzen ist, ist eine andere Frage. Aber vorstellbar ist eine Rückkehr auf alle Fälle.

Samuel: Ich bin mir da gar nicht so sicher. Ich hatte im Nachwuchs mit Innsbruck etwas schwierige Zeiten. Mittlerweile hat sich alles aber extrem verbessert. Das sieht man auch daran, dass viele Tiroler zurückkommen. Was mir grundsätzlich wichtig ist, dass das Umfeld mit dem Nachwuchs zusammen passt. Wenn ich dann als älterer Spieler zum Verein komme, möchte ich gerne die Jungen unter meine Fittiche nehmen.

Letzte Frage! Wie schauen Eure Planungen für den Sommer aus?

Marcel: Jetzt ist mal abschalten angesagt, weg vom Eishockey. Einfach mal genießen. So gut es halt in Zeiten wie diesen geht. Natürlich werde ich auch den einen oder anderen Stopp zuhause bei den Eltern einlegen, weil die sieht man auch so gut wie acht Monate nicht. Und natürlich möchte ich auch Freunde treffen. Im Winter bleibt dafür meist wenig Zeit. Und Mitte Ende Mai fängt dann eh schon wieder die Vorbereitung auf die neue Saison an.

Samuel: Jetzt heißt es erst einmal ein bisschen abschalten und ausschlafen. Einfach mal nichts tun, die Saison Revue passieren lassen. Später ist dann ein Heimaturlaub geplant. Die Mama, die Oma, die Schwester… alle mal besuchen. Und dann beginnt wie Marcel schon gesagt hat eh schon das Sommertraining.

Wir bedanken uns für das überaus unterhaltsame Gespräch und wünschen für die Zukunft viel Erfolg.

STECKBRIEF MARCEL WITTING

Geburtsdatum: 23.09.1995 / Position: Stürmer / Bisherige Vereine: EC Zirl, HC Innsbruck, EHC Lustenau, VEU Feldkirch, Klagenfurter AC / Vorbild: Da gibt es mehrere. Man kann sich von jedem Spieler eine Scheibe abschneiden. Egal wie jung oder alt. / Lieblingsgetränk: Cola / Lieblingsessen: Mamas Tiroler Gröstl / Hobbys: Golfen, Lesen und Zeit in der Natur zu verbringen

STECKBRIEF SAMUEL WITTING

Geburtsdatum: 14.01.1998 / Position: Stürmer / Bisherige Vereine: EC Zirl, HC Innsbruck, RB Salzburg, Klagenfurter AC / Vorbild: Da gibt es viele. Nicht nur im Sport. Man kann von jeder Persönlichkeit lernen. / Lieblingsgetränk: Soda-Zitron / Lieblingsessen: Schweinsbraten mit Semmelknödel / Hobbys: Mit Freunden etwas unternehmen, Tennis spielen

„Da ist das Ding“. Marcel und Samuel Witting präsentieren stolz die „Karl Nedwed Trophy“. Foto: Florian Pessenteiner.

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