FIL/Mareks Galinovskis

Fulminante Damen, starkes Kollektiv

Madeleine Egle hat den Schwung aus der Vorsaison eindrucksvoll mitgenommen. Die 23-jährige Kunstbahnrodlern aus Rinn entschied beim Saisonauftakt im National Sliding Center Yanqing ein packendes Duell mit der Deutschen Weltmeisterin Julia Taubitz für sich und feierte beim Testevent für die Winterspiele 2022 ihren ersten Weltcupsieg. Die Tirolerin, die als Halbzeitführende mit einem minimalen Vorsprung von sieben tausendstel Sekunden in die Entscheidung gestartet war, demonstrierte mit der neuerlichen Bestzeit Nervenstärke und beendete damit eine 24-jährige Durststrecke. Den zuvor letzten Weltcupsieg einer ÖRV-Dame verbuchte Andrea Tagwerker 1997.

Bärenstark präsentierte sich auch Lisa Schulte. Die Siegerin der Qualifikation bestätigte ihre starke Leistung im Nationencup mit zwei sauberen Fahrten und Rang drei. Damit jubelte die 20-jährige Tirolerin über den ersten Weltcup-Podestplatz in ihrer Karriere. Selina Egle beendete den Saisonauftakt unmittelbar vor Hannah Prock auf Rang 20. Prock, die wie Jonas Müller aufgrund der verspäteten Anreise mit Trainingsrückstand in den Bewerb gestartet war, ließ ihre Möglichkeiten in Lauf eins Ausgangs der Kurve 13 liegen. Eine Schlüsselstelle, die auch Top-Favoritin Natalie Geisenberger (GER) straucheln ließ. Die zweifache Olympiasiegerin und achtfache Gesamtweltcup-Siegerin musste sich bei der Olympiageneralprobe nach einem Kippsturz mit Rang 26 begnügen.

Siegertrio in Yanqing, von links: Julia Taubitz (2.), Madeleine Egle (1.) und Lisa Schulte (3.).
Fotos: FIL/Mareks Galinovskis

In der abschließenden Team-Staffel gelang der heimischen Auswahl der nächste Streich. Die amtierenden Staffel-Weltmeister Madeleine Egle, David Gleirscher und Thomas Steu/Lorenz Koller profitierten dabei von einem Fehler der Doppelsitzer Toni Eggert/Sascha Benecken, die nach einer klarer Zwischenbestzeit Deutschlands einen Kippsturz fabrizierten. Rang zwei ging an die Auswahl der USA, dritter wurde die italienische Mannschaft.

Der Weltcup-Tross übersiedelt am Montag nach Sotschi, wo auf der Olympiabahn von 2014 zwei Weltcupentscheidung in Folge auf dem Programm stehen. 

Madeleine Egle: „Es ist alles sehr schnell gegangen und schwer zu realisieren. Es ist richtig cool, dass ich jetzt einen Weltcup-Sieg habe und die gelbe Startnummer mitnehmen darf. Der Anfang war etwas holprig, ich habe mir im Training schwer getan. Es ist zwar immer besser geworden, aber damit hat man nicht rechnen können. Aber manchmal gibt es eben Überraschungen. Die Läufe am Vormittag waren das Beste was mir hier gelungen ist, in der Staffel habe ich es dann nicht ganz so gut erwischt, aber glücklicherweise hat es für uns gereicht. Ich bin absolut zufrieden und hoffe, dass es so weitergeht.“ 

Lisa Schulte: „Ich habe im Ziel sogar ein paar Tränen verdrücken müssen, weil es dann doch sehr emotional war. Ein, zwei Rutscher waren schon dabei, aber ich bin mit meinen Läufen sehr zufrieden und mit dem Ergebnis absolut happy. Dass ich hier aufs Podest gefahren bin, es ist ein echtes Highlight für mich.“

Cheftrainer Rene Friedl: „Wir haben als Team sehr gut gearbeitet, aber gestern bei den Herren gesehen, wie schwer es ist, hier sauber zu rodeln. Heute ist es bei den Damen und in der Staffel voll aufgegangen. Madeleine hat ihre Möglichkeiten in der Vorsaison bereits anklingen lassen, dass es gleich beim Saisonauftakt mit dem Premierensieg klappt, ist umso erfreulicher. Lisa hat das Ganze mit Platz drei vervollständigt, dazu der Sieg in der Staffel, der gezeigt hat wie herausfordernd die Bahn für alle Beteiligten ist. Es ist natürlich super, wenn man so in die Saison starten kann. Das Gesamtpaket stimmt, aber es geht nicht von alleine. Wir müssen dranbleiben und konsequent weiterarbeiten.“

EBERSPÄCHER Rennrodel-Weltcup/Yanqing:

Team-Staffel:

1. Österreich 3:06.953

2. USA +0.375

3. Italien +0.378

Damen:

1. Madeleine Egle AUT 1:58.822

2. Julia Taubitz  GER +0.106

3. Lisa Schulte AUT +0.528

20. Selina Egle AUT +2.340

21. Hannah Prock  AUT +2.405

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