Michele Mondini, Michal Cerveny

Spannung pur in Nove Mesto

Auch nach dem Weltcup in Nove Mesto präsentiert sportszene.tirol eine Expertise von Andrea Koschier zu den Rennen von Laura Stigger und Mona Mitterwallner.

Du hast mit dem Sieger-Tipp McConnell richtig gelegen!

Ja, das war aber nicht sooo schwer, die fährt in der Form ihres Lebens. Anders als bei den vorigen Weltcuprennen ist sie in Nove Mesto noch offensiver gefahren. Im Cross Country gab es einen Start-Ziel-Sieg mit sehr konstanten Rundenzeiten. Sie hatte echt harte Jahre hinter sich. Coronabedingt konnte sie als Australierin in den letzten Jahren monatelang nicht nach Hause. Das muss man erstmal verkraften.

Kommen wir vorher noch kurz zum Short Track am Freitag!

Was für ein cooler Bewerb! Hier konnten Mona und Laura aufgrund ihrer bisherigen Platzierungen der Saison aus der ersten Startreihe starten. Der Kurs, der sich teilweise in einem Biathlonstadion befindet, ist technisch nicht anspruchsvoll. Die Schwierigkeit bestand darin, sich im Pulk der Fahrerinnen zu behaupten, nicht zu weit vorne zu fahren, da es recht windig war, aber auch nicht zu weit hinten, da sich in jeder Kurve das Feld auseinanderzieht und das Aufholen sehr viel Energie kostet, die dann später fehlt. Mut hat es bei der schnellen Abfahrt gebraucht, nicht wegen der Strecke an sich, sondern weil keine alleine fährt. Zum Zuschauen ist es sehr spektakulär, etwa wenn Laura an einer anderen Fahrerin vorbeispringt. Für die Fahrerinnen aber braucht es Hochkonzentration, eine ungenaue Landung kann einen Überschlag bringen.

Kommen wir zu unseren Tirolerinnen!

Laura ist ja bekannt sprintstark und schaffte problemlos einen guten Start. Sie konnte sich das erste Renndrittel vorne im Pulk halten. Da wurde auch eher noch – ähnlich einem Straßenrennen – taktiert und es ging um das Halten einer ausreichend guten Position. Als dann die Post gegen Rennmitte so richtig abging, hatte Laura sichtlich Mühe, das Tempo zu halten und fiel zwischenzeitlich auch weit zurück. Die Gesichter der Fahrerinnen bei den Zieldurchfahrten sprachen Bände. Die letzten Runden fuhren alle Vollgas und an ihrem Limit. Das waren zehn Minuten Maximalleistung. Laura kämpfte sich gegen Rennende wieder Platz um Platz nach vorne. Ich denke, mit dem 13. Platz muss sie zufrieden sein. Mehr war an dem Tag nicht drinnen. Neff gewann in einem spannenden Zielsprint vor McConnell und Rissveds. Lauras Kampfgeist wurde mit der zweiten Startreihe für das sonntägliche Cross Country Rennen belohnt. Laura hat dennoch etwas zum Feiern, denn ihre Teamkollegin Sina Frei, die ja amtierende Weltmeisterin im Short Track ist, meldet sich mit einem vierten Platz zurück. 

Was war mit Mona?

Mona hatte gleich zu Beginn Probleme, den Stärksten zu folgen und fiel weit zurück. Man muss sich vorstellen, da sprinten 50 Fahrerinnen mit ausgefahrenen Ellenbogen, einem breiten Lenker und all ihrer schieren Rohkraft für zehn Sekunden auf die erste Kurve zu. Auch im weiteren Rennverlauf gelang es Mona nicht, sich im Feld zu halten, sie war meist am Ende des Feldes zu finden. Mona hat sichtlich Mühe mit dem Format Short Track und auch mit der Positionierung im Feld. Sie wurde letztlich 22. Und ging damit am Sonntag aus der dritten Startreihe ins Rennen. Für Mona wäre es wichtig, sich im Short Track zu verbessern, um im Cross Country eine bessere Startposition zu haben. Das schnelle Antreten für kurze Zeit und auch das Abfahren mitten im Getümmel werden ihre Trainer vermutlich auf die Todo-Liste setzen.

Kommen wir zum Cross Country Rennen am Sonntag! 

Das war an Spannung kaum zu überbieten. Zum Glück gab es anders als im vergangenen Jahr auch keine schweren Stürze. Rebecca McConnell hat einen Start-Ziel-Sieg hingelegt. Sie ist extrem konstante Rundenzeiten gefahren. Hinter ihr haben lange Loana Lecomte und Jenny Risveds um den Anschluss gekämpft, ihn aber nie ganz geschafft. Letztlich gewann Rebecca McConnell hochverdient. Lecomte wird gute Zweite. Sie scheint sich von ihrem Schlüsselbeinbruch im Winter langsam zu erholen, die Formkurve zeigt nach oben. Rissveds ist auch wieder konstant gut gefahren. Sie war ja nach ihrem Olympiasieg in Rio so richtig von der Bildfläche verschwunden und kämpfte mit allerlei Problemen. Schön, dass sie wieder da ist!

Und Mona und Laura?

Laura konnte sehr gut starten und war vorne im Feld platziert. Plötzlich war sie nicht mehr zu sehen. Ich vermute, sie musste kurz vom Rad. Sie kam als 29. durch die erste Zieldurchfahrt. Mona erwischte einen katastrophalen Start und überquerte die Ziellinie auf Platz 54. 

Im Laufe des Rennens fanden aber beide ihren Tritt wieder. Laura holte schnell auf. In der zweiten Runde war sie schon 15. Auch Mona konnte aufholen und auch in der vorletzten Runde an Laura vorbeigehen. Die beiden kämpften da um die Plätze fünf bis sieben.

Letztendlich konnte Mona den sehr guten sechsten Platz erreichen. Laura kam mit Allesandra Keller zum Zielsprint um den siebten Platz. Wer die Möglichkeit hat, muss sich das anschauen: Ich wusste ja, dass Laura gut sprinten kann, aber jetzt ziehe ich wieder einmal meinen Hut: Mit dem Sprint kann sie ein Straßenrennen gewinnen. Sie konnte Keller um Radlängen schlagen. Das gibt Selbstvertrauen. 

Gab es für dich eine Überraschung im Rennen?

Ja, und was für eine! Eine weitere junge Fahrerin konnte sich mitten in der Weltelite etablieren. Die junge Dänin Caroline Bohé, die letztes Jahr bei jedem Rennen der U-23 Kategorie von Mona Mitterwallner geschlagen wurde, wird sensationell und hochverdient Fünfte. 

Was nimmst du aus Nove Mesto mit?

Das wird ein richtig spannendes Weltcupjahr. Die Dichte ist enorm, das verspricht packende Rennen. Mona hat riesiges Potenzial, aber wenn sie in der Elite ein Weltcuprennen gewinnen will, muss sie ihre Startschwäche und das Fahren im Feld in den Griff bekommen. Für Laura läuft es konstant gut, das ist wichtig nach der durchwachsenen letzten Saison. Jetzt gibt es mal eine kleine Pause und dann geht es vom 10. bis 12. Juni in Leogang weiter.

Fotos: Michele Mondini, Michal Cerveny

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