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Am Eingang abgeblitzt

„Hey Kumpel, geh’n mer Fußballschauen?“ „Klar, wann geht’s los?“ „Anstoß ist um 18 Uhr. Fahr mer um 17.45 Uhr hin? Reicht leicht.“ „Passt bestens.“

Eine ganz normale Unterhaltung zwischen zwei Fußballfans, die sich zum Kick am Dorfplatz verabreden. Alleine, die Vorfreude, die derzeit nach dem von höchster politischer Stelle verordneten Lockdown allerorts spürbar ist, kann, wenn im Fußball-Unterhaus auch im Meisterschaftsbetrieb wieder der Ball rollt, ganz schnell ins Gegenteil umschlagen.

Denn die Empfehlungen, die laut Covid-19-Präventionskonzept gemäß § 8 Absatz 2 Covid-19-Lockerungsverordnung auch auf der Homepage des Tiroler Fußballverbandes veröffentlich wurden, scheinen speziell hinsichtlich der Zuschauerregelung mehr Hindernisse als zweckmäßig zu sein.

So meinte etwa Volders-Trainer und Ex-Profi Michael Streiter im Gespräch mit sportszene.tirol: „Das ist nie und nimmer umsetzbar.“ Und auch Christian Kranebitter, Obmann der SPG Silz/Mötz, kratzt sich am Kopf: „Da müssen wir vereinsintern noch intensiv diskutieren, wie wir das bewerkstelligen können, damit wir uns nicht strafbar machen.“

So kann’s etwa unseren eingangs erwähnten Fußballfreunden, die am Platz dann nicht einmal nebeneinander sitzen oder stehen dürften, wenn sie nicht aus dem selben Haushalt stammen, das zu bespielende Grün erst gar nicht erreichen. Denn aktuell heißt es: Ein Training mit Zuschauern kann vor bis zu 100 Personen (im Juli 2020) bzw. vor bis zu 200 Personen (ab August 2020) stattfinden. Eine darüber hinaus gehende Anzahl an Zusehern ist demnach nur dann erlaubt, sofern die Sportstätte über zugewiesene und gekennzeichnete Sitzplätze verfügt (im Juli sind dann maximal 500 Zuschauer möglich, ab August 750).

Prost, Mahlzeit! Und da wollen wir auf jene Regeln, welche die Kantine betreffen noch nicht einmal gesondert  eingehen.

Die Frage drängt sich auf: Ist unter diesen Umständen ein normaler Spielbetrieb im Unterhaus überhaupt möglich? sportszene.tirol befragte dazu TFV-Vizepräsident Arno Bucher.

Arno, wie soll man sich das vorstellen? Auf einem Platz werden 100 Besucher reingelassen, danach heißt es „Bitte draußen bleiben“?

So blöd das klingt. Aber es gibt ganz klare Vorgaben vom Gesundheitsministerium. Das ist zwar nicht für den Sport zuständig, macht aber aktuell die Regeln. Der Sport spielt da jetzt leider nur die zweite Geige.

Da sind unter den Fußballfans ja vehemente Proteste vorprogrammiert. Braucht’s da bald Securitys?

Das hoffe ich doch nicht. Mit den jeweiligen Ordnern sollte das schon zum Handhaben sein. Mir tut auch jeder Zuschauer weniger auf den Plätzen weh. Aber möglicherweise ist es jetzt einfach nötig, dass wir alle unsere Opfer bringen müssen.

Für die Vereinen drohen so weitere herbe wirtschaftliche Verluste.

Das ist leider nicht weg zu diskutieren. Alle Vereine sind auf Einnahmen angewiesen. Trotzdem brauchen wir aktuell nicht diskutieren, ob die auf einem Bundesgesetzblatt festgehaltenen Regeln Sinn machen oder nicht. Momentan können wir uns nur daran halten.

Das scheinen keine allzu rosigen Zukunftsaussichten zu sein.

Ich bin ein positiver Mensch. Und deshalb hoffe ich doch, dass die aktuelle Vorlagen in naher Zukunft praktikabel erläutert werden. Der Punkt ist ja auch der, dass so keine Chancengleichheit zwischen den Vereinen besteht. Ich selbst habe in Kematen eine Tribüne, auf der ich trotz Halbierung der Platzzahl, um den nötigen Abstand zwischen einzelnen Zuschauern zu garantieren, 140 Leute unterbringe. Und auch sonst ist mein Gelände enorm weitläufig. Vereine mit kleinen Plätzen und den üblichen Holzbänken sind hingegen die Gelackmeierten.

Und wie geht’s den beiden Fußballfans vom Beginn unserer Geschichte? Am letzten Drücker zum Platz gekommen heißt es nach längerer Parkplatzsuche am Eingang schließlich: „Kontingent erschöpft – Keiner darf mehr rein!“ Am Eingang abgeblitzt – Und so ziehen zwei durchaus wütend von Dannen und spülen sich irgendwo in einem Wirtshaus den Frust runter. Vom Fußball haben sie hingegen erstmal die Schnauze voll…

Peter Leitner

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