Zirler Brüder-Power für Rotjacken – Teil 1

Bereits im zarten Alter von 12 bzw. 15 Jahren sind Samuel und Marcel Witting Richtung Kärnten ausgezogen, um die Eishockey-Welt zu erobern. Ein Unterfangen, das vor wenigen Tagen einen weiteren Höhepunkt erlebte. Was Michael und Thomas Raffl mit Villach 2006 schafften, gelang dem Zirler Brüderpaar heuer mit Lokalrivalen KAC: der gemeinsame Titelgewinn. Sportszene.tirol bat die beiden Eishockey-Cracks zum Doppelinterview.

Marcel, Samuel: Vorab mal herzliche Gratulation zum Gewinn des Meistertitels. Beschreibt doch mal bitte wie es ist, die ICE-Trophäe in den Himmel zu stemmen.

Marcel Witting: Für mich war es heuer ein anderes Gefühl als beim Titelgewinn vor zwei Jahren, weil ich bei den Play-Off`s nicht gespielt habe und es ganz was anderes ist, wenn man am Eis steht. Am Eis ist man irgendwie im Tunnel, kriegt nichts mit und auf der Tribüne zittert man halt mit, und hat ein paar Herzinfarkte (lacht). Aber es war trotzdem sehr schön, weil ich mich total für die Burschen gefreut habe. Vor allem für Sami (Bruder Samuel, Anmerk.). Das man so was als Brüderpaar gemeinsam erleben darf, gibt es glaube ich nicht allzu oft.

Samuel Witting: Für mich waren es die ersten Play-Offs, damit auch der erste Titel. Und es war ein unbeschreiblich tolles Gefühl, gleich im ersten Profijahr den Titel zu gewinnen. Und die Tatsache, dass Marcel mit dabei war, machte es doppelt so schön. Obwohl ich direkt nach der Schlusssirene noch gar nicht so richtig realisiert habe, was uns da gelungen ist. Man freut sich zwar wie ein kleines Kind zu Weihnachten, aber so richtig begreifen was man da erreicht hat, tut man erst drei, vier Tage später.

Gerüchten zur Folge sollen sich die anschließenden Meister-Feierlichkeiten nicht nur auf eine Kabinenfete beschränkt haben. Angeblich wurde der Mannschaftsbus zum Partybus umfunktioniert und dieser dann in Lienz sogar von KAC-Fans aufgehalten. Plaudert doch mal ein wenig aus dem Nähkästchen.

Marcel: (lacht) Ich glaub es kann sich jeder ungefähr vorstellen wie es da abgegangen ist. Es ist ein großer Druck, eine große Last abgefallen und die Euphorie war riesengroß. Und klarerweise schmeckt das Bier danach dann doppelt so gut. Auch weil man sich alles hart erarbeitet hat. Zum genaueren Ablauf: Wir sind etwa zwei Stunden noch in Bozen geblieben, haben in der Kabine bzw. vor der Halle gefeiert. Dann ging die Reise Richtung Heimat. Und wie du eh schon gesagt hast, wurden wir in Lienz von Freunden vom „Unti“ (Clemens Unterweger – Osttiroler in Diensten des KAC, Anmerk.) aufgehalten, haben da und später dann in Klagenfurt am Neuen Platz eine kurze Feier abgehalten. Dann ging`s noch in die Kabine. Ich glaube vor Mittwoch-Abend (das entscheidende Finalspiel fand am Dienstag statt, Anmerk.) ist niemand nachhause gegangen. Wir haben es uns einfach gut gehen lassen.

Samuel: (lacht) Da glaube ich gibt es nicht mehr viel hinzuzufügen. Jeder war sehr glücklich, hat getanzt und gefeiert – Ende nie. Auch weil einfach eine große Last, ein immenser Druck von uns gefallen ist.

Ihr habt die „Best of Seven“-Finalserie gegen Bozen recht deutlich mit 4:1 für euch entschieden. Was war Eurer Meinung nach ausschlaggebend?

Marcel: Ausschlaggebend war absolut die Tatsache, dass der KAC mit vier Linien gespielt hat. Und Bozen hat teilweise nur mit zweieinhalb, drei Linien gespielt. Da hat man ihnen die Müdigkeit dann schon angemerkt. Bozen war jedenfalls kein schlechter Gegner, sie haben die gesamte Saison über dominiert. Aber sie hatten halt ein paar namhafte Ausfälle durch Sperren und Verletzungen und das merkst du dann halt auch. Wobei ich einfach auch glaube, dass wir als Team besser waren. Da hat jeder für den anderen gefightet. Ich vergleiche das immer gerne mit einer Kette: Eine Kette ist nur so stark wie das schwächste Glied. Und unsere Kette war heuer unglaublich stark. Genau das war unser Erfolgsgeheimnis.

Samuel: Ich sehe den Grund für den Titelgewinn ebenfalls in unserer Leistung als Team. Wir waren nicht nur eine Mannschaft sondern vielmehr wie eine Familie. Jeder hat für den anderen gekämpft, jeder hat gewusst was der andere gern macht, und was nicht. Auf gut deutsch wäre jeder für den anderen am Eis gestorben. Man hat sich in jeden Schuss geworfen, ist den Extraschritt mehr gegangen. Und deshalb waren wir so stark. Auch weil wir einander vertraut haben. In so einem Team mit so einem starken Gefüge war ich noch nie mit dabei.

Die nächste Frage ist jetzt nur theoretischer Natur. Aber wäre ein anderer Gegner in der Finalserie unangenehmer gewesen?

Marcel: Nein, glaub ich nicht. Wien wäre zwar auch schwierig gewesen, aber Bozen war, ohne dass ich da jemanden schlecht reden will, von Anfang an der Gegner den du schlagen musst, um den Titel zu gewinnen. Bozen kann sehr hart spielen, teilweise auch zu hart.

Samuel: Bozen war meiner Meinung nach verdient im Finale. Auch weil sie lange Zeit die Liga dominiert haben. Aber wir haben eigentlich nie auf den Gegner geschaut sondern viel mehr auf uns und unsere Stärken. Schlussendlich haben wir das alles sehr gut umgesetzt und verdient gewonnen.

Wie sehr hat Corona den Sport beeinträchtigt?

Marcel: Immens! Nicht nur sportlich gesehen sondern auch privat. Jeder Mensch trifft sich gerne mit Freunden, betreibt Sport usw. Von dem her will ich gar nicht an die Kinder denken, denen der Sport genommen wurde. Aber leider müssen wir lernen damit umzugehen und hoffen, dass Corona sobald wie möglich unter Kontrolle gebracht wird.

Samuel: Da gibt’s nichts hinzuzufügen. Wir müssen froh sein und dürfen uns glücklich schätzen, dass wir unseren Sport überhaupt ausüben durften.

Wie sehr fehlen gerade bei einem so intensiven Sport wie Eishockey die Fans?

Marcel: Sehr! Egal ob Eishockey, Fußball, Tennis oder Golf: Fans sind überall willkommen und gern gesehen. Sie nehmen dir auch etwas vom Druck und du kannst freier aufspielen. Vor allem hier in Kärnten ist die Fangemeinschaft extrem groß. Und es war eine extreme Umstellung, plötzlich in einer leeren Halle zu spielen.

Samuel: Die Fans sind für den Sportler mit das Wichtigste. Vor allem wenn es mal nicht so läuft. Die feuern dich an, peitschen dich nach vorne. Und wenn du vor einer vollen Halle spielst bist du einfach noch motivierter als wenn du vor leeren Rängen spielst. Noch dazu in so einer Saison wie heuer. Du spielst ja nicht nur für dich und den Verein sondern auch für die Fans.

Wie schaut euer ganz persönliches Saison-Resümee aus?

Marcel: Meine Saison verlief nicht so wie erwartet. Ich hatte zuletzt zwei richtig gute Saisonen, letztes Jahr wurde ich etwas von einer Schulterverletzung gebremst und heuer war einfach von Anfang an der Wurm drinnen. Ich bin nie so richtig ins Rollen, bin nie in einen Flow gekommen. Vor allem mental war es brutal schwierig. Von dem her war die Saison nicht so toll. Aber letztendlich bin ich dennoch zufrieden. Ich habe wieder was über mich selbst gelernt und bin auch mental stärker geworden. Und in der nächste Saison fängt wieder alles bei null an. Von dem her freue ich mich schon.

Samuel: Mein Start in die Saison war nicht sehr gut. Ich bin gleich mal in der AHL (Alps Hockey League, Anmerk.) gelandet. Im Nachhinein gesehen war das richtig gut, weil ich viel gespielt habe, viel Eiszeit bekommen habe und an jenen Dingen arbeiten konnte, an denen ich noch Verbesserungspotential gesehen habe. In der Zwischenrunde habe ich dann meine Chance bekommen und diese auch genutzt. Die Play-Offs waren dann nochmal eine Draufgabe.

Teil 2 des Interviews folgt.

Da ist das Ding“. Marcel und Samuel Witting präsentieren stolz die „Karl Nedwed Trophy“. Fotos: Florian Pessenteiner.

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